Die Initiative Deutscher Forschungspraxennetze – DESAM-ForNet

Forschung ist die Grundlage für Sicherheit und Wirksamkeit medizinischer Behandlungen. So ist beispielsweise die Voraussetzung für die Zulassung eines neuen Arzneimittels der Sicherheits- und Wirksamkeitsnachweis mit Hilfe randomisiert-kontrollierter klinischer Studien. Doch auch wenn Tausende von Patienten in Zulassungsstudien eingeschlossen waren, sind die Erkenntnisse über ein neues Medikament zur Markteinführung begrenzt: So erfolgt die Auswahl der Studienteilnehmer in Zulassungsstudien nach strengen Kriterien. Hier gibt es unter Alltagsbedingungen häufig deutliche Abweichungen – denn viele Menschen haben anders als die Probanden der Zulassungsstudie Begleiterkrankungen, nehmen mehrere Medikamente ein und/oder sind fortgeschritteneren Alters. Es ist für Patientinnen und Patienten sowie Hausärztinnen und Hausärzte wichtig, zu wissen, was bei einer medizinischen Intervention in der realen Versorgung „unter dem Strich“ herauskommt, um zu entscheiden, ob man beispielsweise ein Medikament einnehmen bzw. empfehlen möchte oder nicht. Hierfür sind Studien erforderlich, die Therapiealternativen direkt vergleichen, patientenrelevante Ergebnisparameter verwenden und unter Alltagsbedingungen ablaufen. Im angelsächsischen Raum ist diese Forschung unter dem Namen „Comparative Effectiveness Research“ (CER) schon seit längerem etabliert. In Deutschland konzentriert sich Forschung in Deutschland traditionell vor allem auf Innovationen, Technologie und biomedizinische Grundlagenforschung. Doch das Thema Versorgungsforschung wird in den letzten Jahren auch in Deutschland immer wichtiger. Mit der Initiative Deutscher Forschungspraxennetze – DESAM-ForNet soll eine wichtige Ergänzung der bisherigen Forschungslandschaft geschaffen werden, die es ermöglicht, Fragen zum konkreten Nutzen medizinischer Interventionen unter Alltagsbedingungen für Patientinnen und Patienten zu beantworten.

Die wichtige Bedeutung des Fachgebiets der Allgemeinmedizin wird in Zeiten zunehmenden Hausärztemangels immer offensichtlicher. Darum gibt es mittlerweile an nahezu allen medizinischen Fakultäten in Deutschland vollständige Abteilungen oder Institute für Allgemeinmedizin. In der neuen ärztlichen Approbationsordnung (ÄApprO) ist die allgemeinmedizinische Lehre tragender Teil des Medizinstudiums. Auch die Forschungsaktivitäten in der Allgemeinmedizin haben sich in den letzten Jahren intensiviert. Während die Forschung in anderen Fachgebieten größtenteils in der Universitätsklinik erfolgt, manifestiert sich die Forschung im Fachgebiet Allgemeinmedizin üblicherweise in Forschungspraxen, die sich gemeinsam mit Universitäten in Forschungspraxennetzen organisieren.

Forschungspraxennetze bilden eine Brücke zwischen eher theoretischen Bereichen (wie universitären Instituten, gesundheitspolitischen Gestaltern, Kostenträgern) und der hausärztlichen Praxis. Wichtige Forschungspartnerschaften werden hier etabliert, um zum Nutzen von Patientinnen und Patienten den Wert medizinischer Interventionen unter Alltagsbedingungen zu ermitteln. Dabei werden die zu beforschenden Themen und die Forschungsmethoden ganz wesentlich von den Forschungspraxen mit bestimmt – die Initiative Deutscher Forschungspraxennetze – DESAM-ForNet steht für Forschung aus der Praxis für die Praxis.

Zur Strukturierung der überregionalen Zusammenarbeit hat sich die Initiative eine Geschäftsordnung gegeben:

Zentrale Entscheidungsinstanz für alle Belange der Initiative ist das Steuerungsgremium, in dem neun Institutionen ihre Stimme einbringen:

  • Die Forschungspraxennetze der Initiative (6 Stimmen)
  • Die Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) für die Koordinierungsstelle (1 Stimme)
  • Die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF) für die Koordinierungsstelle (1 Stimme)
  • Die Deutsche Geselllschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), Sektion Forschung (1 Stimme)

Der wissenschaftliche Beirat bringt eine externe Perspektive auf die gemeinsamen relevanten Themen ein.

Das Steuerungsgremium setzt zur Vorbereitung seiner Entscheidungen Arbeitsgruppen ein zu Themen, die für alle Forschungspraxennetze relevant sind und bei denen es Bedarf nach Austausch, Harmonisierung oder nach einheitlichen Prozessen und Standards gibt. In jeder Arbeitsgruppe ist nach Möglichkeit jedes der sechs Forschungspraxennetze vertreten.

Abb.: die Governance-Struktur der Initiative Deutscher Forschungspraxennetze